KOMPASS Maximaler Förderbetrag: 4.500 Euro erklärt
Der maximale Förderbetrag bei KOMPASS liegt bei 4.500 Euro pro Person und Förderperiode. Das ist der harte Deckel, der unabhängig von der 90-Prozent-Regel greift. Wer einen Kurs über 5.000 Euro Gesamtkosten macht, bekommt diese 4.500 Euro als Festbetrag und trägt den Rest selbst. Seit März 2026 gilt ein Aufnahmestopp bis voraussichtlich Mai 2026.
In diesem Artikel erkläre ich, warum dieser Deckel existiert, wann er greift und wie du teurere Weiterbildungen trotzdem finanzieren kannst.
Was der Deckel von 4.500 Euro genau bedeutet
Die 4.500 Euro sind der maximale Zuschuss, den KOMPASS pro Person in einer Förderperiode auszahlt. Förderung gleich 0,9 mal Kurskosten, gedeckelt bei 4.500 Euro.
Der Deckel greift immer dann, wenn die berechnete Förderung (0,9 × Kurskosten) die 4.500 Euro überschreiten würde. Das ist mathematisch ab 5.000 Euro Kurskosten der Fall. Darunter sparst du echte 90 Prozent, darüber nicht mehr.
Drei Szenarien machen das klar:
| Kurskosten | Rechnung | Förderung | Eigenanteil |
|---|---|---|---|
| 3.000 Euro | 0,9 × 3.000 = 2.700, unter Deckel | 2.700 Euro | 300 Euro |
| 5.000 Euro | 0,9 × 5.000 = 4.500, genau am Deckel | 4.500 Euro | 500 Euro |
| 9.662,40 Euro | 0,9 × 9.662,40 = 8.730, Deckel greift | 4.500 Euro | 5.200 Euro |
Merkformel: Ab 5.000 Euro Kurskosten bekommst du immer den Festbetrag 4.500 Euro, egal wie teuer der Kurs darüber wird.
Warum es überhaupt einen Deckel gibt
Drei Gründe. Haushaltsdisziplin: Der KOMPASS-Topf ist begrenzt. Ohne Deckel würden wenige teure Weiterbildungen das Budget aufbrauchen. Zielgruppenbreite: Der Deckel stellt sicher, dass möglichst viele Solo-Selbstständige Zugang haben. Das Programm will in die Breite wirken, nicht in die Tiefe einzelner teurer Lehrgänge. Und die politische Abstimmung auf ESF-Plus: Der europäische Förderrahmen ESF-Plus sieht ähnliche Höchstbeträge für Einzelperson-Förderungen vor. KOMPASS orientiert sich daran.
In meinen Beratungsgesprächen erlebe ich die erste Reaktion meistens als Enttäuschung: „Nur 4.500 Euro für einen 9.662,40-Euro-Kurs?” Die Enttäuschung kippt, wenn wir die Gesamtkosten nach Steuerabsetzbarkeit durchrechnen. Eine viermonatige Weiterbildung kostet nach KOMPASS plus Steuererstattung oft nur noch 3.500 bis 4.000 Euro effektiv, über 18 Monate finanziert also rund 200 Euro pro Monat.
Gilt der Deckel pro Kurs oder pro Person
Der Deckel gilt pro Person und Förderperiode, nicht pro Kurs. Das bedeutet: Du kannst die 4.500 Euro auf mehrere kleinere Kurse verteilen, solange die Gesamtsumme den Deckel nicht überschreitet und alle Kurse innerhalb deines Förderzeitraums liegen.
Beispiel: Du machst zuerst einen 2.500-Euro-Zertifikatskurs und später einen 2.000-Euro-Aufbaukurs. KOMPASS zahlt:
- Erster Kurs: 0,9 × 2.500 = 2.250 Euro
- Zweiter Kurs: 0,9 × 2.000 = 1.800 Euro
- Gesamt: 4.050 Euro (unter Deckel, volle 90 Prozent)
Wer dagegen einen 5.000-Euro-Kurs und danach noch einen 1.000-Euro-Kurs machen will, stößt schneller an den Deckel. Die Summe berechnet sich strikt.
Wann der Deckel greift
Der Deckel greift exakt ab 5.000 Euro Kurskosten. Darüber bekommst du den Festbetrag 4.500 Euro, egal wie hoch die tatsächlichen Kosten sind. Die Differenz zwischen „90 Prozent” und „4.500 Euro” wird mit steigendem Kurspreis immer größer:
- Bei 5.000 Euro Kurskosten: Förderanteil 90 Prozent, Eigenanteil 10 Prozent
- Bei 7.000 Euro Kurskosten: Förderanteil rund 64 Prozent, Eigenanteil 36 Prozent
- Bei 9.662,40 Euro Kurskosten: Förderanteil rund 46 Prozent, Eigenanteil 54 Prozent
- Bei 12.000 Euro Kurskosten: Förderanteil 37,5 Prozent, Eigenanteil 62,5 Prozent
Diese Degression ist wichtig für die Finanzierungsplanung. Wer einen teuren Kurs macht, sollte nicht davon ausgehen, dass 90 Prozent durch KOMPASS gedeckt sind.
Wie du einen teureren Kurs trotz Deckel finanzierst
Drei bewährte Wege aus der Praxis.
Ratenzahlung mit dem Bildungsträger
Viele AZAV-zertifizierte Träger bieten Ratenzahlung über 12 bis 24 Monate an. Bei einem 5.200-Euro-Eigenanteil (Rest nach KOMPASS-Deckel auf 9.662,40-Euro-Kurs) entspricht das 289 Euro pro Monat über 18 Monate. Das ist machbar, wenn die Weiterbildung das Geschäftsmodell stärkt.
Steuerliche Absetzbarkeit
Weiterbildungskosten sind für Selbstständige vollständig als Betriebsausgabe nach § 4 Absatz 4 EStG absetzbar. Das reduziert die effektive Belastung je nach Grenzsteuersatz um 25 bis 40 Prozent. Ein 5.200-Euro-Eigenanteil kostet netto zwischen 3.120 und 3.900 Euro.
Kombination mit anderen Förderwegen
In Einzelfällen ist KOMPASS mit Landesprogrammen oder ESF-Landesprogrammen kombinierbar, aber nur wenn sie aus unterschiedlichen Töpfen stammen. Doppelförderung aus demselben ESF-Rahmen ist ausgeschlossen. Der Bundesagentur für Arbeit gegenüber musst du Doppelförderungen immer offenlegen.
Ist der Deckel verhandelbar
Nein. Der Deckel ist programmatisch fix und keine Ermessensentscheidung der Sachbearbeiter. Weder die Anlaufstelle noch die Bundesagentur können über 4.500 Euro hinaus bewilligen. Wer mehr Förderung braucht, muss auf andere Programme ausweichen.
Für IHK-Aufstiegsfortbildungen wie den Wirtschaftsfachwirt oder Betriebswirt ist das Aufstiegs-BAföG in der Regel der passendere Weg, weil es keinen vergleichbaren Deckel hat und die Gesamtkosten in der Regel besser abdeckt.
Häufige Fragen zum maximalen Förderbetrag
Kann ich KOMPASS zweimal in verschiedenen Förderperioden nutzen?
Grundsätzlich ja. Wer den Deckel in einer Förderperiode ausgeschöpft hat, kann nach Abschluss der Periode eine neue Förderung beantragen, wenn die Voraussetzungen weiter erfüllt sind. Das wird aber restriktiv geprüft.
Was, wenn der Kurs am Ende billiger ausfällt als kalkuliert?
Dann werden nur die tatsächlichen Kosten erstattet. Die Förderhöhe wird auf Basis der vorgelegten Rechnungen berechnet, nicht auf Basis des ursprünglichen Kostenvoranschlags.
Was, wenn der Kurs während der Laufzeit teurer wird?
Eine Erhöhung wird in der Regel nicht automatisch mitfinanziert. Zusatzkosten trägst du selbst. Wer größere Erhöhungen plant, muss einen separaten Antrag stellen.
Ist der Deckel auf die Gesamtsumme oder auf die förderfähigen Kosten bezogen?
Der Deckel bezieht sich auf die förderfähigen Kosten (Lehrgangsgebühren, Prüfungen, Material des Trägers). Nicht-förderfähige Kosten wie Reise oder Unterkunft zählen nicht mit.
Wie erfahre ich die konkrete Deckelung in meinem Fall?
Die Anlaufstelle rechnet vor Antragstellung durch, was die konkrete Förderhöhe wäre. Das ist Teil der Erstberatung. Der endgültige Betrag steht im Bewilligungsbescheid.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Als promovierter Naturwissenschaftler und Unternehmer begleitet er seit über zehn Jahren Solo-Selbstständige bei der Finanzierung ihrer Weiterbildungen. Mehr zum Autor auf /über-den-autor/.
Zuletzt geprüft am 13.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Förder- oder Steuerberatung. Die konkrete Höhe deiner Förderung entscheidet der zuständige Sachbearbeiter der Bundesagentur für Arbeit.
Willst du deinen konkreten Eigenanteil berechnen?
Der Förder-Rechner zeigt dir in fünf Schritten, was dich dein Kurs wirklich kostet, und nennt den passenden Förderweg.
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